Gehaltsangaben in der Stellenbeschreibung - Das ist wichtig zu wissen

Vorteile einer Gehaltsangabe im Stellenangebot bei ganz bestimmten Branchen und Berufen.

Soll ich als Unternehmen eine Gehaltsangabe in meiner Stellenanzeige machen?
Diese Frage stellen sich viele kleine Unternehmen und Personaler, wenn sie eine offene Stelle ausschreiben möchten. Neben der richtigen Formulierung und Ansprache in Stellenangeboten kann auch die Angabe einer Gehaltsspanne von Vorteil sein.

Für Kandidaten stellt eine Stellenanzeige den ersten Kontaktpunkt zu deinem Unternehmen dar. Auch die Angabe eines Gehaltes bildet einen wichtigen Anhaltspunkt, ob Kandidat und Unternehmen zusammen passen. Wir erklären dir, wann es sinnvoll ist, bereits in der Stellenanzeige eine Gehaltsspanne zu nennen und wann du diese Information besser erst im Bewerbungsgespräch zur Sprache bringst.

Inhalte dieser Folge:

  • Gehaltsangaben in Deutschland – eher eine Ausnahme als eine Regel.
  • Die Gehaltsangabe als wichtiges Kriterium für Kandidaten.
  • Welche Vorteile ergeben sich aus einer Gehaltsangabe?
  • Die Gehaltsangabe unterschieden nach bestimmten Branchen und Berufen.
Wenn Sie den Podcast "#007 Gehaltsangabe in Stellenangeboten - nicht verpflichtend, aber sinnvoll" hören wollen, klicken Sie auf den Button "Inhalt laden".

Ist es denn jetzt eine Ausnahme, eine Gehaltsangabe im Stellenangebot zu machen in Deutschland? Oder ist es eher die Regel? 

Spannende Frage: Generell sind Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, eine Gehaltsangabe zu machen, aber sie heben sich positiv als Arbeitgeber hervor. Auch hierzu gibt es eine spannende Studie, und zwar von Jobware: Sie nennt sich Umfrage Report 2014/2015. Demzufolge wünschen sich 79 Prozent der Befragten eine Gehaltsangabe.
Grund: Ganz einfach – die Bewerber können vorab schon prüfen, ob sich der Bewerbungsaufwand lohnt und ob der Marktwert stimmt. 

In Österreich gibt es seit ein paar Jahren sogar eine Pflicht zur Angabe eines Mindestgehaltes in Stellenangeboten. Dagegen gibt es in Deutschland den hartnäckigen Spruch: “Man spricht nicht über das Gehalt bzw. man spricht nicht über Geld”. Ganz ehrlich, immer mehr Menschen tun’s halt doch. Ja, die Angabe ist also in Deutschland im Moment eher eine Ausnahme und keine Pflicht. 

Wenn man also nach den Befragten geht, dann wünschen sie sich, dass die Unternehmen einfach mal die Hosen herunterlassen und sagen, was sie bereit sind, zu bezahlen. Und anstelle einer Floskel wie z.B. attraktives Gehalt oder leistungsgerechte Vergütung könnte man doch ein Mindestgehalt nennen oder auch eine Gehaltsspanne. Das zeigt eine gewisse Transparenz gegenüber den Kandidaten. 

Angabe des Gehaltes spart Zeit und Geld

Ja, aus unserer Arbeit mit verschiedenen Unternehmen wissen wir, dass sie sich sehr schwertun. Zum einen das Argument:

 „Naja, ich hätte ja viel mehr bezahlt, wenn ich mich vorher schon festgelegt hätte, oder?“ 

oder „Bei der Person war ich aber bereit, dann doch mehr zu bezahlen.“ 

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Unternehmen ein faires Gehalt bezahlen möchte, dann macht sich das Unternehmen ja ohnehin schon Gedanken darüber, welchen Bereich es bezahlen möchte. 

Und insofern glaube ich persönlich, dass eine gewisse Gehaltsspanne zu nennen durchaus möglich ist, und wenn die entsprechende Person das dann „wert ist“, auch darüber hinauszugehen.
Warum nicht? Oft ist es ja tatsächlich so, dass man das im ersten Gespräch dann feststellt, zum Beispiel bei einer Ingenieurstelle. 

Eine der Fragen ist dann einfach immer „Welches Gehalt stellen Sie sich denn vor?“. Dann antwortet der Bewerbende und dieser hat sich natürlich vorher auch schon Gedanken gemacht, hat gegoogelt: “Was kann ich denn verlangen? Was bin ich denn wert? Wie viel Erfahrung habe ich?”. Und dann fängt das große Schwitzen an… Und die Person nennt eine Gehaltsspanne oder ein Gehalt, was sie sich vorstellen kann. 

Unter Umständen merkt das Unternehmen dann: “Menschenskinder, da bin ich so weit davon entfernt, das lassen wir lieber! Weil, selbst wenn ich die bewerbende Person jetzt irgendwo hin verhandele, dann wird sie vermutlich nicht glücklich sein.” Und diesen ganzen Prozess bis zum ersten Gespräch kann man sich „sparen“, indem man sich vorher ein bisschen abgleicht zur Frage: Passen wir da einigermaßen zusammen? 

Deswegen, wenn es irgend möglich ist, ist es auf jeden Fall ein Vorteil, hier schon wenigstens eine Gehaltsspanne zu nennen oder ein Mindestgehalt. Dazu verpflichtet sich das Unternehmen und ich denke, dass es tatsächlich eine faire Sache ist. 

Dann gibt es noch eine andere Studie: Personalmarketing 2.0. Sie kommt zu folgenden Ergebnissen: Nur 12 Prozent der 800.000 untersuchten Stellenanzeigen in Print und Web haben im August 2020 eine Gehaltsangabe enthalten. Und zwar in Form von Stundenlohn, brutto Monats- oder brutto Jahresgehalt. Und auch hier sind die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen und Branchen sehr, sehr groß. Unterm Strich bleibt aber festzuhalten: 

Mit einer Gehaltsangabe – und sei sie auch nur ungefähr – kann ein Unternehmen auf jeden Fall punkten sowie auch Zeit und Energie einsparen.

Welche Vorteile bringt die Angabe einer Gehaltsangabe mit sich?

Wenden wir uns dem Thema 2 zu: Das Gehalt als wichtigstes Auswahlkriterium für Kandidaten. Tatsächlich gibt es Studien, die belegen, dass die Gehaltsangabe, die Klick- und Bewerbungsbereitschaft deutlich erhöhen

Warum ist denn das so? Neben der Sicherheit der Anstellung ist Gehalt oft einer der wichtigsten Gründe für die Auswahl des Arbeitgebers. Auch eine gute Unternehmenskultur und andere Vorteile können überzeugen. Aber das Gehalt ist einfach ein sehr starker Motivator

Was hab ich denn noch für Vorteile, wenn ich das Gehalt angebe? Ich sorge einfach als Unternehmen für eine Transparenz, die ihresgleichen sucht. Und vor allem: ich hebe mich ab. Die Angabe von Gehältern ist auch ein Filter – für Unternehmen auf der einen und für die Kandidaten auf der anderen Seite. 

Ich spare damit Zeit und Geld im Recruiting, falls die Vorstellungen einfach sehr weit auseinanderliegen. Wie gesagt, Gespräche müssen so teilweise vielleicht noch nicht einmal geführt werden. 

Google for Jobs belohnt die Gehaltsangabe tatsächlich mit einem besseren Ranking. Das bedeutet mehr Sichtbarkeit. Zum Thema Google for Jobs haben wir ebenfalls eine eigene Folge. Höre da gerne mal rein, wenn das interessant für dich klingt. 

Unterm Strich habe ich mehr passende Bewerbungen, wenn ich das Gehalt nenne. Auch hier gibt es natürlich Studien dazu: Eine Analyse von Gehalts Reporter.de und Zalvus fand heraus, dass Stellenangebote mit Gehaltsangabe bis zu 30 Prozent höhere Klickzahlen haben. Und 20 Prozent mehr Bewerbungen. 

Eine andere Umfrage von Candidate Experience 2020 von Softgarden geht sogar noch weiter: 60 Prozent mehr Klicks haben sie herausgefunden und eine dreimal höhere Bewerbungswahrscheinlichkeit, wenn eine Gehaltsangabe vorhanden ist. Dreimal höher ist jetzt auch relativ. In Zahlen ausgedrückt: ohne Gehaltsangabe besteht eine Bewerbungswahrscheinlichkeit von 25 Prozent und mit Gehaltsangabe von 75 Prozent. Das ist doch mal ein Wort!

Gehaltsangaben im Branchen- und Berufsvergleich

Kommen wir jetzt zum dritten Punkt, die Gehaltsangabe im Branchen- und Berufsvergleich. Nachdem, was wir gerade gehört haben, könnte man ja sagen: „Ja gut, ok. Auch wenn es mir noch so schwerfällt, ich muss eigentlich immer ein Gehalt angeben.“ Kann man das so pauschal sagen? Nein, auf gar keinen Fall immer.

Es ist auf jeden Fall sinnvoll, nach Beruf und nach Branche zu entscheiden, ob die Angabe eines Gehaltes wirklich den gewünschten Erfolg liefert. Manchmal kann es sogar nach hinten losgehen. Was meine ich damit? Die gerade zitierte Analyse von Gehaltsreporte.de und Zalvus kommt nämlich auch zu einem anderen spannenden Ergebnis: Verschiedene Berufsgruppen reagieren unterschiedlich auf Gehaltsangaben.

Unbedingt angeben solltest du also das Gehalt bei der Suche im Vertrieb, in der Produktion und Instandhaltung, bei Beratung und Consulting, im Ingenieurswesen sowie in der IT und Entwicklung. Dagegen lieber keine Angaben bei HR, Marketing, Projektleitung sowie Assistenz- und Administrationsberufen. 

Warum ist das so? Warum sollte ich hier keine Angaben machen? Nun, die Studie hat herausgefunden, dass die Klickzahlen mit der Angabe des Gehaltes meistens sogar sinken. Eine Aussage dazu, warum das so ist, hat die Studie nicht getroffen. Eine Vermutung an der Stelle: Möglicherweise wegen der erhöhten Nachfrage nach Fachkräften in diesen Gruppen wird das Gehalt gegebenenfalls eher als nicht so entscheidendes Kriterium wahrgenommen. Möglicherweise sind dort z.B. Unternehmenskultur viel, viel wichtiger. Das Fazit lautet also: immer im Einzelfall entscheiden, ob ein Gehalt genannt werden sollte oder nicht. Eine allgemeine Aussage ist leider nicht möglich.

Die wichtigsten Learnings dieser Folge

  • Die Gehaltsangaben in Deutschland sind eher eine Ausnahme als eine Regel und damit ein absolutes Differenzierungsmerkmal. 
  • Die Gehaltsangabe ist definitiv ein Kriterium für Kandidaten, ob Sie die Anzeige klicken oder sich bewerben sollen. 
  • Viele Vorteile ergeben sich daraus, dass ich das Gehalt angebe, z.B. Kostenersparnis im Recruiting oder durch eine Selektion vorab. 
  • Die Gehaltsangabe bei bestimmten Branchen und Berufen ist durchaus sinnvoll, bei anderen jedoch nicht zu empfehlen, also immer im Einzelfall entscheiden.

Tja, das war’s auch schon wieder mit dieser Episode. Ich hoffe, du konntest was für dich mitnehmen. Ich freue mich sehr, wenn du das nächste Mal reinhörst, wenn es wieder heißt: “Wertvolle Unternehmen finden wertvolle Mitarbeitende.” 

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