Stellenanzeige richtig formulieren - Aber wie?

Welche Floskeln, Begriffe und Formulierungen du besser vermeiden oder konkretisieren solltest

Heute freue ich mich mal auf ein anderes Format, und zwar übersetze ich Floskeln, die in Stellenanzeigen gerne verwendet werden aus der Sicht des Bewerbers und interpretiere deren Bedeutung. Du erfährst heute also, welche Begriffe und Formulierungen du besser nicht in deiner Stellenanzeige verwenden solltest. Und wie diese bei Bewerben ankommen können.
Diese Floskeln hab ich unterteilt in ein paar Kategorien, sodass wir besser den Überblick behalten können: Unternehmensbeschreibung mit Kultur, Aufgabenbeschreibung, Anforderungsprofil, Vorteile und Leistungen sowie Sonstiges.

Inhalte dieser Folge:

  • Es gibt Formulierungen, die ohne nähere Beschreibung nichts aussagen oder im schlimmsten Fall negativ von Bewerbern interpretiert werden können.
  • Als Unternehmen empfiehlt es sich, diese Formulierungen genau zu prüfen und zu konkretisieren – für wirklich treffende und positive Aussagen.  
  • Diese Floskeln finden sich oft in der Beschreibung von: Unternehmen und Kultur, Aufgaben und Anforderungen, Benefits und Mitarbeitervorteilen.
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Floskeln in der Unternehmens- und Kulturbeschreibung

Schauen wir uns also zunächst Floskeln bei der Unternehmens- und Kulturbeschreibung an. Optimalerweise verwendest du die folgenden Begriffe nicht, weil sie entweder zu werberisch klingen oder sie einfach extrem unkonkret sind. Das bedeutet: Eigentlich könnte jedes Unternehmen diese Begriffe irgendwie verwenden, wenn ich keinen Beweis dafür aufführe. 

  • Das Wort ”führend”: Gefühlt ist doch jedes Unternehmen irgendwie ein führender Hersteller von irgendetwas. Kannst du verwenden, belege aber bitte, in was genau du führend bist und warum. 
  • “Innovativ”: Ein innovatives Unternehmen? Ja, das ist schön. Aber in was genau und wodurch genau? Kann auch das nicht eigentlich jedes Unternehmen von sich behaupten? 
  • “Erfolgreich”: Ja, wir alle sind und haben erfolgreiche Unternehmen, aber welchen Mehrwert liefert diese Aussage einem Bewerbenden? 
  • “Hochwertig”: Hochwertige Produkte und Dienstleistungen funktionieren zum Beispiel sehr gut im Premium-Bereich, aber überlege dir genau, ob das bei dir und deinem Unternehmen zutrifft, oder ob es vielleicht doch eher eine Floskel ist. 
  • “Nachhaltig”: Nachhaltige Unternehmen gibt es. Die tun spezielle Dinge, damit sie einen positiven CO2-Fußabdruck hinterlassen. Deshalb auch hier: Führe aus, warum dein Unternehmen nachhaltig ist. 
  • “Zielgerichtet”: Ein wundervolles Wort, um eine Lücke zu füllen. Denn ganz ehrlich unter uns: Welches Unternehmen agiert nicht zielgerichtet? Vielleicht nicht so sehr, wie es sollte, das mag schon sein. Aber welches Unternehmen würde nicht von sich behaupten, dass es zielgerichtet agiert? 
  • “Angenehmes Arbeitsklima”: Auch das werden vermutlich die meisten Unternehmen von sich behaupten, selbst wenn es nicht stimmt. Außerdem unterscheidet sich das angenehme Arbeitsklima teilweise in größeren Unternehmen sogar von Abteilung zu Abteilung. Also auch hier: Überlege besser noch einmal, ob du das so wirklich sagen kannst und möchtest. 

Hier noch ein paar ganz konkrete Beispiele und wie diese ankommen können: 

  • “Ein dynamisches Unternehmen”. Das kann bedeuten, dass Bewerbende daraus lesen: „Aha, das Unternehmen wächst schnell, hat aber keine Struktur, und es herrscht viel Unordnung.“ 
  • “Ein innovatives Unternehmen”. Daraus können Bewerber z.B. lesen: „Okay, es werden ständig neue Ideen produziert, aber es herrscht vermutlich auch viel Umbruch, und auch der Mitarbeiter soll möglichst viele Ideen haben und einbringen.“ 
  • “Junges Team”. Entweder bleibt niemand, der älter ist, dort länger im Team, oder viele nutzen diesen Arbeitgeber nur als „Sprungbrett“, bevor sie mit der Karriere so richtig durchstarten. 
  • Auch der Begriff “Marktführer” ist ein wenig vergleichbar mit der Formulierung “führend”: So viele Marktführer, wie es in Stellenanzeigen gibt, so viele Branchen gibt es doch fast nicht, oder? Prüfe als Arbeitgeber lieber vorher genau und spezifiziere konkret, z.B. Marktführer in Süddeutschland für das und das. 
  • “Traditionsunternehmen”. Daraus lesen Bewerbende gerne: „Nun, hier scheint es wohl festgefahrene Strukturen zu geben und wenig Veränderung.“ Eher ein Dinosaurier unter den Unternehmen. Wir machen das und das seit fast 30 Jahren oder sogar seit mehr als 30 Jahren. Und es funktioniert. Warum sollten wir also etwas ändern? – Das könnten Bewerbende herauslesen. 
  • “Familienunternehmen”. Man kann das sehr positiv sehen, z.B. ein kleines, überschaubares Team mit familiärer Atmosphäre. Oder man kann es negativ sehen, z.B. dass familiäre Konflikte im Betrieb ausgetragen werden oder dass vielleicht Vetternwirtschaft herrscht und dies an der Tagesordnung ist, wodurch weniger Aufstiegschancen bestehen. 

Wohlgemerkt, das sind alles Möglichkeiten, wie diese Punkte ankommen könnten. Aber es lohnt sich in jedem Fall, diese Formulierungen nochmal genauer anzuschauen und vielleicht konkret zu belegen.

Floskeln in der Beschreibung von Aufgaben

Kommen wir zu den Aufgaben: 

  • “Spannende, interessante, attraktive Aufgaben, Projekte oder Tätigkeiten”. Hmm, auch hier: Inwiefern? Ist die Aufgabe denn spannend oder attraktiv? Zum einen ist es sehr individuell, was man spannend oder interessant findet, und zum anderen ist es auch hier recht unkonkret. Präzisiere also lieber. 
  • „Deine Aufgaben liegen im Bereich XY“: Wir kennen diesen Satz. Er wird häufig verwendet, um danach die Aufgaben zu beschreiben. Er macht auch Sinn. Allerdings nur dann, wenn danach wirklich präzise und konkret darauf eingegangen wird, was genau das für ein Bereich ist, und was genau das für Aufgaben sind. 

Du siehst schon, wir schlagen hier einen Weg ein, der durchaus zu diskutieren ist. Aber wie gesagt: Einfach mal drüber nachdenken.

Floskeln in der Beschreibung von Anforderungen

Und so geht es auch im nächsten Bereich weiter: Die Anforderungen.

  • “Abschlussorientierung”: Für Stellenanzeigen im Verkauf oder im Vertrieb kann das folgendes bedeuten: „Rein die Ergebnisse und der Umsatz zählen. Der Weg dorthin und du als Person sind uns eigentlich egal“, selbst wenn das so gar nicht gemeint ist. 
  • “Belastbarkeit”: Körperliche Belastbarkeit darfst du gar nicht in Stellenanzeigen schreiben, weil es diskriminierend ist bzw. als diskriminierend eingestuft wird. Generelle Belastbarkeit: Dem Mitarbeiter wird vermutlich viel abverlangt, und Überstunden könnten an der Tagesordnung sein. Es kann aber auch heißen: Du brauchst ein dickes Fell, weil der Umgangston etwas rauer und unfreundlicher im Unternehmen ist. 
  • “Eigenverantwortung”: Kann bedeuten, dass das Unternehmen von mir eine hohe Flexibilität fordert, wenn ich mich hier bewerbe. Mit gleichzeitiger hoher Verantwortung. Wenn da etwas schief geht, dann bin ich dafür alleine verantwortlich. Könnte sein. 
  • “Hohe Einsatzbereitschaft”: Ja, da klingeln vielleicht bei dem einen oder anderen die Alarmglocken. Denn egal, ob Urlaub oder Feierabend, wenn der Chef anruft, dann hast du an Ort und Stelle zu sein. 
  • “Flexibilität”: Auch oft gelesen in Stellenanzeigen… Aber Flexibilität in welcher Hinsicht? Bekomme ich ständig neue Aufgaben? Muss ich mal hier oder mal dort arbeiten? Muss ich vielleicht sogar auch über Nacht irgendwo bleiben? 
  • “Kommunikative Fähigkeiten”: Viel Kontakt zu Kunden oder generell mit Menschen zu haben, kann bedeuten, dass es kein 08/15 Bürojob ist, bei dem du gelegentlich mal telefonieren musst. 
  • “Kreativität”: Könnte bedeuten, dass Bewerber dazu angehalten sind, immer neue Ideen und Lösungen parat zu haben, damit sie im Arbeitsalltag klarkommen. 
  • “Mobilität”: Bedeutet meistens, dass du einen Führerschein oder ähnliches benötigst. Erst mal nicht weiter schlimm. Aber man könnte herauslesen, dass der Bewerber viel unterwegs ist. 
  • “Organisationstalent”: Du hast jeden Tag vielleicht verschiedene Aufgaben und musst sehen, wie du diese am besten durch Multitasking erledigen kannst. Oder im Unternehmen gibt’s einfach keine Struktur. Könnte man daraus lesen. 
  • “Pünktlichkeit”: Oftmals steht hinter der erwähnten Pünktlichkeit, dass gleichermaßen Disziplin und Zuverlässigkeit erwartet werden. 
  • Auch eine schöne Formulierung: „Unternehmerisches Denken und Handeln“. Hieraus könnte gelesen werden: Freizeit? Fehlanzeige! Entscheidungen müssen immer im Sinne des Unternehmens getroffen werden, und du musst deinen Vorgesetzten Rechenschaft dafür ablegen. Wie gesagt, könnte… 
  • “Zielstrebigkeit”: Nicht lange fackeln, nicht lange überlegen oder diskutieren, einfach so schnell wie möglich erledigen und dann steht schon die nächste Deadline bereit. 
  • Vermeide zusätzliche Begriffe wie: „Bereitschaft zu…“ oder „Spaß bzw. Freude an…“: Diese Begriffe haben wenig Inhalt, können hier und da aber den Gesamttext auch ein bisschen auflockern.


Floskeln in der Beschreibung von Benefits und Mitarbeitervorteilen

Kommen wir zum spannenden Bereich der Benefits und Mitarbeitervorteile. 

  • Wir starten beim Gehalt: Da gibt es gleich mehrere gängige Floskeln, z.B.
    • “Attraktives Gehalt”: Das kann jetzt von zwei Seiten betrachtet werden. Attraktiv – für wen genau? Für den Bewerbenden oder fürs Unternehmen? 
    • “Überdurchschnittliches Gehalt”: Vermeintlich hoher Lohn. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Denn überdurchschnittlich für wen? Innerhalb des Unternehmens? In der Region? Weltweit gesehen? Keine Ahnung. 
    • “Leistungsgerechte Vergütung”: Bedeutet in der Regel, dass es Provisionen und Boni gibt. Je nach Erfolg, also in Abhängigkeit von einer Leistung. Auch hier ergibt das auf jeden Fall Sinn, die Beschreibung noch zu konkretisieren.
  • “Wir sind ein eingespieltes Team”: Daraus könnte gelesen werden: Die Kollegen kennen sich schon jahrelang, und als Neuer wird es sicherlich schwer, sich dort zu integrieren und überhaupt angenommen zu werden.
  • “Entwicklungsmöglichkeiten”: Kann ein Indiz für hohe Fluktuation sein. Zum Beispiel: „Hälst du lange genug aus, kannst du aufsteigen“, nämlich durch Mitarbeiter, die freiwillig wieder gehen, also ganz automatisch. 
  • “Flache Hierarchien”: Spannend eigentlich, was verbirgt sich genau dahinter? Was Bewerbende daraus lesen können: Alle sind zumindest auf dem Papier auf Augenhöhe, und es gibt nur wenig Hierarchien. Aber eben auch geringe Aufstiegsmöglichkeiten. Und ab Tag eins trägt man gegebenenfalls schon recht viel Verantwortung. 
  • “Ein überschaubares kleines Team”: Kann erstens bedeuten, du bist vermutlich automatisch ein Allrounder, weil das Team relativ klein ist. Das kann natürlich gut und schlecht sein. Es kann auch bedeuten: Mehr Arbeit pro Mitarbeiter und damit vermutlich keine gute Work-Life-Balance. 
  • “Übliche Sozialleistungen”: Liest man auch immer wieder in Stellenanzeigen. Aber was verbirgt sich dahinter? Naja, der STANDARD halt. Also offensichtlich nichts Besonderes… Und das klingt, wenn man sich das auf der Zunge zergehen lässt, fast sogar ein bisschen knausrig. Aber warum nenne ich als Arbeitgeber diesen Punkt denn überhaupt? Es wirkt doch irgendwie viel negativer, als würde ich einfach nichts dazu sagen, denn vom STANDARD gehe ich ja aus. 
  • “Weiterbildungsmöglichkeiten”: Das ist schon mal sehr gut zu wissen, dass es solche gibt. Fachliche und persönliche Weiterbildung ist ja toll, aber die spannende Frage dabei ist: Was bekomme ich vom Arbeitgeber denn dafür? Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten? Werden mir die Stunden gutgeschrieben, oder muss ich das alles aus eigener Tasche bezahlen? Und heißt das, ich darf aus bestimmten Weiterbildungen vielleicht einfach nur „auswählen“? Auch hier lohnt sich auf jeden Fall eine nähere Beschreibung.

Sonstige Floskeln 

Und dann haben wir noch allgemein formulierte Aussagen, die gegebenenfalls eher gestrichen werden können z.B.: Altersvorsorge, Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten und weitere Begriffe ohne nähere Beschreibung. Beispielsweise sagt allein das Wort „Altersvorsorge“ ohne nähere Beschreibung einfach gar nichts aus. Wie hoch ist die? Beteiligt sich der Arbeitgeber? Das sind alles Fragen, die das Ganze dann attraktiv machen.

Die wichtigsten Learnings dieser Folge: 

  • Viele Begriffe können sowohl positiv als auch negativ interpretiert und bewertet werden. Überlege daher genau, ob und wie du diese einsetzt. 
  • Auf die richtige Formulierung und Ausgestaltung kommt es an, z.B. mit Beschreibungen und Beispielen können viele Missinterpretation vorweggenommen bzw. entkräftet werden. Und deine Aussage klingt dann einfach viel positiver. 
  • Kandidaten wollen Klartext und keine Interpretationsspielräume, die Nachfragen erfordern. Nutze diese Worte am besten gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang und bewusst.

Tja, das war’s auch schon wieder mit dieser Episode. Ich hoffe, du konntest etwas für dich mitnehmen. Ich freue mich sehr, wenn du das nächste Mal reinhörst, wenn es wieder heißt: “Wertvolle Unternehmen finden wertvolle Mitarbeitende.”

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